Geschichte einer starken Gemeinschaft

Die Geburtsstunde der Kreishandwerkerschaft Höxter-Warburg lässt sich zeitlich genau festlegen. Am 25. September 1921 fand in Brakel eine „Große Handwerkerversammlung“ statt, zu der der Westfälisch-Lippische Handwerkerbund durch die Ortsgruppe Brakel in das dortige Schützenhaus mit einer Zeitungsanzeige eingeladen hatte. Im Jahr 2021 feierte die Kreishandwerkerschaft Höxter-Warburg daher ihr 100-jähriges Bestehen. Zwischen Traditionswahrung und Modernisierung hat sich die Kreishandwerkerschaft Höxter-Warburg als Institution im Kreis Höxter etabliert.

Historischer Ursprung der Zusammenschlüsse im Handwerk

Das Handwerk und seine eigene Organisation haben eine jahrhundertealte Tradition. Der Zusammenschluss von Handwerkern mit dem Ziel, ihre gemeinsamen wirtschaftlichen und politischen Interessen vertreten zu können, findet sich auch heute noch in der Kreishandwerkerschaft Höxter-Warburg und ihren Innungen wieder. Bereits im 13. und 14. Jahrhundert erscheinen diese Aspekte der handwerklichen Zusammenschlüsse bei den mittelalterlichen Zünften und in der frühen Neuzeit. Gründe für die Organisation des Handwerks waren unter anderem der Zusammenhalt innerhalb der Gewerke, notwendige Regulierungen in Bezug auf Qualität, Wettbewerb und Ordnung sowie der politische Einfluss des Handwerks innerhalb der schnell wachsenden Städte.

Anfang des 19. Jahrhunderts gingen die regionalen und politischen Strukturen des Handwerks auf dem Gebiet des heutigen Kreises Höxter zunächst im französischen Königreich Westfalen und später in der preußischen Provinz Westfalen auf. Dies hatte zur Folge, dass mit der Einführung der Gewerbefreiheit auch die Zünfte ihre Bedeutung verloren hatten. Unabhängige gewerbliche Vereine und Innungen ersetzten die Zünfte und dienten nun als die Organisationen für die gegenseitige soziale Absicherung in Krankheit, Alter und die handwerkliche Geselligkeit.

In der Kaiserzeit

Im Jahr 1897 verabschiedete der Reichstag die Novelle der Reichsgewerbeordnung, das sogenannte „Handwerkergesetz“. Zwangsinnungen durften jetzt eingerichtet werden, um eine entsprechende Basis für eine straffe Organisation des Handwerks zu schaffen und möglichst alle Handwerksbetriebe zu erfassen. 1905 wurden anlässlich des 1. Vertretertages der Innungen und Handwerkervereine im Handwerkskammerbezirk Bielefeld im Kreis Höxter acht Zwangsinnungen, eine freie Innung und zwei Handwerkervereine gelistet. Im Kreis Warburg gab es mit zehn Zwangsinnungen und zwei Handwerkervereinen ein ähnliches Bild.

Durch die Änderung der Gewerbeordnung des Deutschen Reichs im Jahr 1908 wurde neu geregelt, dass „in den Handwerksbetrieben die Befugnis zur Anleitung von Lehrlingen nur denjenigen Personen zusteht, welche das vierundzwanzigste Lebensjahr vollendet und eine Meisterprüfung bestanden haben“. Damit wurde zum einen der Einfluss der Betriebe auf die Inhalte der Ausbildung größer, zum anderen sollte die Qualität der Ausbildung durch qualifizierte Ausbilder verbessert werden. Vom 1. April 1900 an wurden Handwerkskammern flächendeckend im ganzen Deutschen Reich eingerichtet, so auch die Handwerkskammer in Bielefeld. Innerhalb dieser Handwerksorganisation wurden nun durch die Innungen auf dem Gebiet der Landkreise Innungsausschüsse als Interessenvertretung örtliche Zusammenschlüsse gegründet, die die Innungsbetriebe berieten und ihre Zusammenarbeit förderten.

Bis zum Eintritt Deutschlands in den Ersten Weltkrieg am 1. August 1914 konzentrierte sich die offizielle Handwerkspolitik auf die Abgrenzung zwischen „Handwerk“ und „Fabrik“. Durch die Handwerkskammern wurde versucht, ein Gegengewicht zu den Handelskammern zu schaffen, denen die Behörden die meisten Betriebe und damit neue Mitglieder zuwiesen.

Weimarer Republik

Von der Versammlung am 25. September 1921 weiß der Brakeler Anzeiger bereits wenige Tage später am 29. September 1921 unter dem Titel „Große Kundgebung des heimischen Handwerks“ zu berichten, dass am Ende der „äußerst anregenden“ Veranstaltung, der „zahlreiche Meister mit ihren Damen“ gefolgt waren, eine Abstimmung über die Errichtung des Kreishandwerkerbundes eine „einmütige Annahme“ erfolgte. Zuvor hatte Tischlermeister Franz Schünemann aus Brakel, der die Versammlung leitete, als ersten Redner den stellvertretenden Vorsitzenden des Westfälisch-Lippischen Handwerksbundes, Herrn Schnittker aus Hagen begrüßt. Als zweiter Redner trat der Geschäftsführer Bökenkamp des Westfälisch-Lippischen Handwerksbundes auf, ebenfalls Herr Finkeldey als Vertreter der Ortsgruppe Steinheim. Die Redner forderten einen Zusammenschluss des Handwerks, um das „schlafende Handwerk“ zu einer politischen Größe erstarken zu lassen. Alle Handwerker im Kreis Höxter sollten durch die Gründung des Kreishandwerkerbundes Höxter profitieren, da die Handwerksämter der Gemeinden im Kreis Höxter „aufs tote Gleis gefahren“ seien, so der Versammlungsleiter Franz Schünemann. Lediglich einzelne Stimmen wollten zunächst die örtlichen Organisationen festigen, bevor eine Kreisorganisation entstehen sollte. Die Versammlung beschloss einstimmig die Schaffung des Kreishandwerkerbundes Höxter. Franz Schünemann wurde als Vorsitzender des Gründungsausschusses und Malermeister Anton Happe aus Brakel als dessen Schriftführer gewählt.

So kam es am 13. November 1921 in Altenbeken im Hotel Höschen zu einer ersten Versammlung des neu gegründeten Kreishandwerkerbundes Höxter. Geladen waren sämtliche Obermeister der Innungen aus dem Kreis Höxter, die Vorstände der Ortsgruppen des Westfälisch-Lippischen Handwerkerbundes, der in Brakel gewählte Ausschuss sowie die Herren des Kreistages und des Kreisausschusses, soweit es sich dabei um Handwerker handelte. Tagesordnung der ersten Versammlung waren die Punkte: Sitz des Vereins, Wahl des Vorstandes sowie die Beratung der Statuten.

Es wurde vorgeschlagen, in Anbetracht der geringen finanziellen Möglichkeiten des Vereins als Geschäftsführer zunächst keinen Beamten im Hauptamt anzustellen. Vielmehr sollte die Position des Geschäftsführers vorerst nur im Nebenamt wahrgenommen werden. Die Wahl zum Geschäftsführer fiel einstimmig auf Malermeister Anton Happe. Zum 1. Vorsitzenden wurde Tischlermeister Franz Schünemann gewählt, zum stellvertretenden Vorsitzenden Malermeister Josef Hally aus Höxter. Beisitzer wurden Maurermeister Paul Lücking aus Nieheim, Schlossermeister Anton Mertens aus Steinheim, Schlossermeister (sic!) Schneider aus Lügde sowie Schuhmachermeister Franz Buhre aus Beverungen. Als Sitz des Vereins legte man Brakel fest. Die Eintragung im Vereinsregister erfolgte laut Regierungsamtsblatt der Bezirksregierung in Minden am 6. Oktober 1922 unter der laufenden Nummer 6 der Eintragung des „Kreishandwerkerbund Höxter mit Sitz in Brakel“ als eingetragener Verein . Über das weitere Vereinsleben ist nichts bekannt.

Gleichzeitig entstanden in der gesamten Weimarer Republik in den 1920er-Jahren auf dem Gebiet der Landkreise Innungsausschüsse, wie der Innungsausschuss für den Kreis Höxter von 1923 . In den Gemeinden und zum Teil auch den Landkreisen gab es sogenannte Handwerksämter als offizielle Vertretungen von örtlichen Innungen, so wird ein solches Handwerksamt 1928 auch für den Kreis Warburg genannt , das sich mit den Behörden abstimmte, um die Einhaltung von Regeln und Gesetzen einzufordern oder um die Schwarzarbeit nicht gemeldeter Betriebe anzuzeigen.

Eine vergleichbare zentrale Einrichtung eines Vereins wie der Kreishandwerkerbund Höxter als Vorläufer eines Innungsausschusses oder Handwerksamtes, wie im Kreis Höxter, gab es für den Kreis Warburg nicht.

Am 11. Februar 1929 verpflichtete der Reichstag die Handwerkskammern zur Führung der Handwerksrolle als ein Verzeichnis „derjenigen, die im Bezirk der Kammer selbstständig ein Handwerk ausüben“. Ziel war die flächendeckende Erfassung der Handwerksbetriebe, eine klare Abgrenzung zu den Handelskammern und die Betonung einer größeren politischen und organisatorischen Eigenständigkeit des selbstbewussteren Handwerks und gleichzeitig eine Entlastung der staatlichen Behörden. Der „Schwarze Freitag“ am 25. Oktober 1929 stürzte die Weltwirtschaft, aber auch das Handwerk durch Umsatzrückgänge von mehr als 50 Prozent Arbeitslosigkeit und Schwarzarbeit in die Krise.

Während des NS-Regimes

Mit der Machtergreifung Adolf Hitlers 1933 kam es innerhalb der Handwerksorganisationen zur Einführung des „Führerprinzips“ und zur „Gleichschaltung“ aller Handwerksorganisationen und am 1. April 1943 zur Auflösung von Handwerksammer, Deutschem Handwerks- und Gewerbekammertag. Damit endete auch die Zeit der Innungsausschüsse, Handwerksämter und Vereine als offizielle Vertretungen der örtlichen Handwerksinnungen durch Einführung sogenannter „Kreishandwerkerschaften“. Ab September 1934 wurden auch für die Kreise Höxter und Warburg Kreishandwerkerschaften als einzige anerkannte Vertretungen der Innungen eingeführt, ihre Zuständigkeit war deckungsgleich mit den Grenzen der beiden Landkreise Höxter und Warburg. Die Kreishandwerkerschaft Warburg war in dem Haus Sternstraße 13 in Warburg untergebracht, die Kreishandwerkerschaft Höxter in der Ennebudiek 2 in Brakel.

Am 27. September 1934 kam es zu einer Anfrage des Amtsgerichts Brakel an die Kreishandwerkerschaft Höxter, nunmehr als Handwerksorganisation gleichgeschaltet im Reichsstand des Deutschen Handwerks, zum aktuellen Status des Vereins Kreishandwerkerbund Höxter. Franz Schünemann als Vorsitzender des Kreishandwerkerbundes als auch als Kreishandwerksmeister teilte am 16. November 1934 über die Kreishandwerkerschaft Höxter mit, dass der Innungsausschuss mit seiner Gründung seit 1923 die Aufgaben des Kreishandwerkerbundes Höxter übernommen habe und dieser damit überflüssig geworden sei. Seit mehr als zehn Jahren sei es nicht mehr zu nennenswerten Tätigkeiten des Kreishandwerkerbundes gekommen, es habe auch keine Mitgliederversammlungen gegeben. Man habe den Innungsausschuss als Rechtsnachfolger angesehen, aus Gründen der Inflation sei kein Vermögen mehr vorhanden, und die Mitglieder hätten sich auch nicht mehr als Mitglieder des Kreishandwerkerbundes Höxter betrachtet. Franz Schünemann beantragte schließlich die Auflösung des Vereins gemäß § 73 BGB, was dann in der Folge im gleichen Jahr 1934 auch geschah .

In der Nachkriegszeit

Die Kreisgrenzen sowie der Name Kreishandwerkerschaft blieben auch nach 1945 erhalten und wurden aber jetzt demokratisch organisiert. Das Handwerk erlebte nicht zuletzt wegen der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Industrie in der Nachkriegszeit eine echte Renaissance. Auch die Kreise Höxter und Warburg wurden in den Aufbaujahren zu einem bedeutenden Beschäftigungsfaktor. 1950 waren in der ländlichen Region des Kreises Höxter im Handwerk 16,5 Prozent aller Erwerbstätigen beschäftigt, im Jahr 1961 waren es etwa 24 Prozent.

In den 1960er-Jahren erlebte das Handwerk gegenüber den 1950er-Jahren einen deutlichen Aufschwung in den Kreisen Höxter und Warburg. Zwar blieb die Zahl der in der Handwerksrolle eingetragenen Betriebe in den Kreisen Höxter und Warburg in dieser Zeit annähernd gleich bei insgesamt etwa 3.450 Betrieben. Die Zahl der im Handwerk Beschäftigten in beiden Kreisen erhöhte sich hingegen von insgesamt rund 16.000 auf etwa 21.000. Allerdings profitierten nicht alle Handwerke gleichermaßen. Bereits 1963 ist ein Rückgang bei den Herren- und Damenschneidern sowie den Schuhmachern zu verzeichnen. Großen Aufschwung erfuhren die Friseure, die Heizungsbauer, Elektroinstallateure und die Kraftfahrzeugmechaniker. Ein Schwerpunkt des Handwerks in den Kreisen Höxter und Warburg lag im Bauhaupt- und Nebengewerbe mit seinen Maurern, Zimmerern, Dachdeckern sowie Tischlern.

Die Kreishandwerkerschaft Warburg, die von 1966 an ihren Sitz in der Bahnhofstraße 50a in Warburg hatte, schloss aufgrund zu großer wirtschaftlicher Herausforderungen mit Zustimmung der Handwerksammer Bielefeld mit der Kreishandwerkerschaft Höxter am 6. /13. Dezember 1971 zum 1. Januar 1972 einen Kooperationsvertrag. Diese Vereinbarung regelte, dass die Geschäftsführung und die Verwaltung der Kreishandwerkerschaft Warburg entgeltlich auf die Kreishandwerkerschaft Höxter in Brakel übertragen wurde . Die Handwerkskammer Bielefeld unterstützte die Zusammenlegung der Kreishandwerkerschaften Höxter und Warburg als Zwischenlösung, favorisierte aber eine Hochstiftlösung, im Gegensatz zur Resolution der Obermeister der Innungen des Kreises Höxter vom 27. März 1973 , die eine Lösung auf dem Gebiet der Kreise Höxter und Warburg forderte. Befördert wurde die als notwendig erkannte Zusammenlegung der Kreishandwerkerschaften Höxter und Warburg durch die kommunale Gebietsreform in NRW und das sogenannte „Sauerland / Paderborn Gesetz“ vom 27.September 1974, das die Kreise Paderborn und Büren sowie Höxter und Warburg mit Wirkung zum 1. Januar 1975 zu zwei neuen Landkreisen innerhalb des Hochstiftes zusammenfasste.

Nur wenige Wochen später, am 26. November 1974 ergingen durch die Mitgliederversammlungen der beiden selbstständigen Kreishandwerkerschaften Höxter und Warburg jeweils gleichlautende Auflösungsbeschlüsse mit Wirkung zum 31. Dezember 1974. Zum 1. Januar 1975 trat die Kreishandwerkerschaft Höxter-Warburg mit Sitz in Brakel mit Genehmigung der Handwerkskammer Bielefeld die Gesamtrechtsnachfolge der beiden aufgelösten Kreishandwerkerschaften an. Noch zu Beginn der 1980er Jahre wurde in der Bahnhofstraße 50 a in Warburg eine Nebenstelle mit Sprechtagen unterhalten und durch die Geschäftsstelle Brakel personell betreut. Bis 1997 war die Verwaltung der Kreishandwerkerschaft im Gebäude Ennebudiek 2 in Brakel untergebracht, bis der Umzug in die heutige Geschäftsstelle in der Industriestraße 34 erfolgte, der Umzug des Bildungsbereiches folgte 2018.
Die Kreishandwerkerschaft Höxter-Warburg heute

Die Kreishandwerkerschaft erfüllt in Abstimmung mit der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld die ihr übertragenen hoheitlichen Aufgaben des Prüfungswesens innerhalb der dualen Ausbildung. Etwa 700 Ausbildungsverhältnisse aus allen Ausbildungsjahren werden von der Kreishandwerkerschaft Höxter-Warburg jährlich betreut. Vom Anlagenmechaniker bis zum Zimmerer ist in mehr als 40 Berufen die Ausbildung durch die Kreishandwerkerschaft Höxter-Warburg organisiert.

Zu den hoheitlichen Tätigkeiten zählen die überbetrieblichen Unterweisungen, die Betreuung der Zwischen- und Gesellenprüfungen, aber es gehören auch die feierlichen Übergaben der Prüfungszeugnisse während der Lossprechungsfeiern mit dazu. Hierzu gehört auch die schnelle und unbürokratische Hilfe in Ausbildungsfragen und ein regelmäßiger Informationsaustausch mit Schulbehörden und Berufsschulen, um den Auszubildenden im Handwerk zeitgemäßes und praxisorientiertes Lernen zu ermöglichen.
Als berufsständische Organisation und Körperschaft des öffentlichen Rechts vertritt die Kreishandwerkerschaft Höxter-Warburg neben ihrer hoheitlichen Tätigkeit mit ihren etwa 40 Mitarbeitenden die Interessen des selbstständigen Handwerks in der Wirtschaftsregion Kreis Höxter. Dabei gilt das besondere Augenmerk der Zusammenarbeit des Handwerks als Bestandteil der heimischen Wirtschaft mit der regionalen Politik und der Industrie, aber auch als Mitgestalter in Fragen der Arbeitsmarkt- und Tarifpolitik und nicht zuletzt auch der Öffentlichkeitsarbeit für das Handwerk. Vertreter aus der Region bringen ihren Sachverstand auf Landes- und Bundesebene ein, wenn es gilt, DIN- und RAL-Vorschriften, Regelungen für die Berufs- und Meisterausbildung sowie Fortbildungsordnungen zu erarbeiten, Stellungnahmen sind über die Handwerkskammer und die Verbände in Gesetzgebungsverfahren abzugeben, damit praxisnahe Vorschriften erlassen werden.

Exklusive Leistungen

Den Innungsbetrieben steht ein exklusives und großes Leistungsspektrum mit einer Vielzahl an modernen Dienst- und Beratungsleistungen zu den Themen Existenzgründung, neueste Ausbildungs- sowie Weiterbildungsprogramme bis hin zur Beantragung von Fördermitteln und Unterstützung bei Betriebsübergaben, Erstellung von Homepages und Hilfe bei EDV-Problemen zur Verfügung. Den Mitgliedern wird ein Inkasso-Service mit Mahnwesen und Zwangsvollstreckung, Rechtsberatung sowie Prozessvertretungen im Arbeits- und Sozialrecht angeboten. Die Kreishandwerkerschaft organisiert darüber hinaus Seminare, Vorträge, Fachtagungen, sie informiert ihre Mitglieder durch Rundschreiben und Mailings, was gerade in der aktuellen Pandemiesituation für viele Betriebe hilfreich war. Es handelt sich bei diesen Leistungsangeboten um die eines modernen Arbeitgeberverbandes.

Darüber hinaus bietet die Kreishandwerkerschaft für ihre Mitgliedsbetriebe seit mehr als 30 Jahren, als Selbsthilfeeinrichtung aufgestellt, ein eigenes „Versorgungswerk der Innungen der Kreishandwerkerschaft Höxter-Warburg“ für Unternehmer und Unternehmerinnen und Mitarbeitende. Mit „HandwerkX“ hält die Kreishandwerkerschaft eine neue digitale Plattform vor, damit regionale Handwerksbetriebe und Dienstleister sich und ihr Angebotsspektrum zeitgemäß präsentieren und vernetzen können. Die Kreishandwerkerschaft Höxter-Warburg hat 2015 die „Stiftung Handwerk Höxter-Warburg“ ins Leben gerufen. Die Stiftung soll dem Handwerk im Kreis Höxter ein solides und zukunftsfähiges Fundament schaffen. Insbesondere die Förderung junger Menschen in der handwerklichen Ausbildung im Kreis Höxter ist dabei eines ihrer vorrangigen Ziele.

Daneben engagiert sich die Kreishandwerkerschaft für ihre Mitgliedsbetriebe im Verein „ZAmAs – Zentrum für Arbeitsmedizin und Arbeitssicherheit“, um den Innungsbetrieben einen schnellen und günstigen Zugang zu arbeitsmedizinischen Angeboten und Grundlagen der Arbeitssicherheit zu ermöglichen.

Ebenfalls unterstützt die Kreishandwerkerschaft den regionalen Zusammenschluss „Zuhause sicher“, durch den die Innungsbetriebe aus den Bereichen Metallbau, Tischler- und Elektrohandwerk die Möglichkeit haben, sich durch Polizei und Versicherer in modernen Methoden des Einbruchsschutzes schulen und zertifizieren zu lassen, um ihre Kunden besser beraten zu können. Mit großem Erfolg organisiert die Kreishandwerkerschaft zur Fachkräftesicherung eine Ausbildungsmesse, „Step 1“, seit 2020 auch als digitales Messeformat, mit anderen Partnern, wie der IHK, dem Kreis Höxter und der Bundesagentur für Arbeit. Die Veranstaltungen sollen jungen Menschen eine Orientierung bei der Berufswahl geben und Ausbildungsberufe und Studiengänge aus der Region vorstellen. Weiter ist die Kreishandwerkerschaft Höxter-Warburg seit mehr als 30 Jahren als regionaler Bildungsträger erfolgreich tätig und hat sich seit 2009 auch als kompetenter Bildungsdienstleister für öffentliche und arbeitsmarktpolitische Maßnahmen etabliert. In der Weiterbildung werden aktuell 75 Prozent der Mitarbeitenden in mehr als zehn zeitgleich laufenden Maßnahmen für die Bundesagentur, den Kreis Höxter und das Land NRW, aber auch private Auftraggeber mit jährlich mehreren hundert Teilnehmenden, tätig.

Der Kerngedanke des Zusammenschlusses in der Kreishandwerkerschaft, neben der Bündelung der genannten Aufgaben, Dienstleistungen und der Interessenvertretung, ist und bleibt aber die traditionelle Gemeinschaft der Mitgliedsbetriebe, die sich durch Solidarität, Austausch und Unterstützung in allen betrieblichen und persönlichen Angelegenheiten als verbindendes Element zeigt. Von der Bäcker-Innung über die Friseur-Innung bis hin zur Zimmerer-Innung sind heute insgesamt 13 verschiedene Innungen mit etwa 600 Mitgliedsbetrieben in unterschiedlichen Gewerken in der Kreishandwerkerschaft Höxter-Warburg zusammengeschlossen.

Ausblick

Das 100-jährige Jubiläum bedeutet für die Kreishandwerkerschaft als Zusammenschluss ihrer Innungen etwas ganz Besonderes. Neben der Bewahrung des bisher Erreichten ist das Jahr 2021 gleichzeitig auch das Signal zum Aufbruch in die Zukunft des Handwerks im Kreis Höxter.

Am 4. Februar 2021 überreichte NRW-Wirtschaftsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart gemeinsam mit Regierungspräsidentin Judith Pirscher den Förderbescheid an den Kreis Höxter und die Kreishandwerkerschaft über eine Gesamtfördersumme von 15,9 Millionen Euro. Für insgesamt 20 Millionen Euro soll das Bildungszentrum bis Ende 2023 mit einer Nutzfläche von rund 3.400 Quadratmetern auf drei Ebenen entstehen.

Noch im Jubiläumsjahr soll das alte Ausbildungszentrum in Brakel abgerissen werden, übergangsweise findet die überbetriebliche Unterweisung in den nicht mehr genutzten Räumen der Firma FSB in der Nieheimer Straße in Brakel und im Johann-Conrad-Schlaun Berufskolleg in Warburg statt. 100 Jahre nach Gründung der Kreishandwerkerschaft gehen das Kreisberufskolleg Höxter und die Kreishandwerkerschaft Höxter-Warburg eine einmalige Zusammenarbeit am Bildungscampus Bohlenweg in Brakel ein, um ein modernes Aus- und Weiterbildungsangebot im Handwerk – nicht nur für junge Menschen – im Kreis Höxter sicherzustellen. Dazu werden der Kreis Höxter und die Kreishandwerkerschaft innovative Werkstätten, handwerklich-technische Labor- und Schulungsräume sowie die Verwaltung der Kreishandwerkerschaft Höxter-Warburg neu errichten.

Die Lernortkooperation zwischen schulischer und überbetrieblicher Ausbildung, aber auch viele Fortbildungs- und Qualifizierungsangebote werden ihren Platz im neuen Gebäude finden. Die Finanzierung erfolgt zu je 40 Prozent aus Mitteln des Landes und des Bundes. Insgesamt beträgt die Zuwendung aus Mitteln der Bund-Länder Gemeinschaftsaufgabe (GRW) 80 Prozent der förderfähigen Kosten.

Gemeinsamer Lernort

Für die Qualifizierung des Nachwuchses in den Handwerksberufen im Kreis Höxter bieten sich durch die enge Zusammenarbeit zwischen Kreishandwerkerschaft und Kreisberufskolleg unter einem Dach viele Vorteile. Es entsteht ein gemeinsamer Lernort, der den wachsenden Anforderungen der Betriebe an die Ausbildungsqualität in den Fachbereichen Elektro, Metall, Sanitär-, Heizungs- und Klimahandwerk, Holz und Technik und Digitalisierung Rechnung tragen wird.

Durch einen energieeffizienten und konzeptionell durchdachten Neubau werden Ressourcen geschont und Raum für zukunftsfähige Verzahnungen zwischen Theorie und Praxis mit neuen pädagogischen Konzepten geschaffen. Mit dieser modernen Bildungsstätte bleibt die gesamte Region in der handwerklichen Ausbildung für weitere Generationen zukunftsfähig und der ländliche Raum erhält lebensnotwendige Perspektiven.

Text: Ein Artikel von Gerald Studzinsky für das Jubiläumsbuch 100 Jahre Kreishandwerkerschaft Höxter-Warburg