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NRW-Handwerk von Pandemie unterschiedlich intensiv, aber tendenziell immer stärker betroffen

Dachorganisation stellt Konjunkturlage zur Jahreswende vor – 4 % Umsatzminus für 2020 erwartet – Rückgänge bei Ausbildung moderater als befürchtet

Das NRW-Handwerk ist im „Corona-Krisenjahr“ 2020 in der Substanz seiner Branchen, Betriebe und Beschäftigten bislang verhältnismäßig gut durch die Rezession gekommen. Der Wirtschaftsbereich zeigt sich von der Pandemie unterschiedlich intensiv betroffen. Während die Bauwirtschaft, die etwa die Hälfte zum gesamten Handwerksumsatz beiträgt, recht stabil durch das Jahr 2020 gekommen ist und teilweise von einer erhöhten Nachfrage nach Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen profitieren konnte, litten andere Gewerke stark unter pandemiebedingten Betriebsschließungen und Umsatzeinbrüchen – so insbesondere die Kosmetiker, Friseure und andere Ladenhandwerke. „Etwa ein Fünftel unserer Betriebe hat massive Probleme, die anderen stehen stabil da“, so Andreas Ehlert, der Präsident von HANDWERK.NRW.

Aus den regelmäßigen Konjunkturumfragen der Handwerkskammern, aus Sonderumfragen des Zentralverbands des deutschen Handwerks und den vorläufigen Daten aus der vierteljährlichen Handwerksberichterstattung zeichnet sich für das Gesamthandwerk im Jahr 2020 ein Umsatzrückgang von etwa vier Prozent ab. Auf ein nennenswertes Umsatz-Plus im noch wenig coronabelasteten ersten Quartal (+3,4 %) folgte laut amtlicher Handwerksberichterstattung ein umso massiverer Wachstumseinbruch im 2. Vierteljahr um -7,8 %, bevor das Handwerk im 3. Quartal auf einen moderaten Wachstumspfad zurückkehrte (+ 0,5 %).

Im 4. Quartal führte der zweite Lockdown im Handwerk zu einem Rückschlag in den betroffenen Branchen. Für das neue Jahr 2021 ist nach Aussage von Andreas Ehlert keine belastbare Prognose möglich: „Ohne den zweiten Lockdown hätten wir auf eine moderate Erholung gesetzt. Nun aber hängt alles davon ab, wie schnell wir die Betriebe wieder ans Laufen bringen. Vor allem in den konsumnahen Handwerken und in Kleinbetrieben sowie unter Soloselbstständigen und Gründern sind die Liquiditätsreserven jetzt allerdings weitgehend aufgebraucht“, betonte Ehlert. „Trotz aller Krisenhilfen kommt der Punkt näher, an dem betroffenen Betrieben die Luft ausgehen wird. Deshalb ist eine erfolgreiche und schnelle Impfstrategie jetzt die beste Wirtschaftspolitik.“ Unsicherheiten für das begonnene Jahr bergen die rückläufigen Auftragsreichweiten und Auftragsbestände in Branchen, die bisher gut durch die Krise gekommen sind. „Es wird für die wirtschaftliche Erholung ganz entscheidend sein, ob wir die mittelständischen Strukturen in der Krise in der Substanz bewahren können.“

Die Auswirkungen der Pandemie auf den handwerklichen Arbeitsmarkt sind vorerst moderat: 19 Prozent der Unternehmen beschäftigten kurz vor der Jahreswende weniger, 12 Prozent mehr Personal als vor einem Jahr. Bundes- und landesweit rechnet das Handwerk mit einem Rückgang der Beschäftigung um drei bis vier Prozent – für Nordrhein-Westfalen würde das einen Rückgang auf etwa 1,15 Mio. Erwerbstätige bedeuten. „Vor allem die Kurzarbeit hat im Jahr 2020 stabilisierend gewirkt“, erklärte Ehlert. „Aber je länger der zweite Lockdown dauert, desto stärker wird auch der Arbeitsmarkt der besonders betroffenen Branchen in Mitleidenschaft gezogen.“

Besser als befürchtet fällt auch die Ausbildungsbilanz des NRW-Handwerks im abgelaufenen Jahr aus. Das zwischenzeitlich zweistellige Manko bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverhält-nissen ließ sich dank vehementer Matching-Bemühungen der Handwerksorganisation auf ein vorläufiges Minus von rd. acht Prozent gegenüber dem Vorjahr eindämmen. Ehlert: „Auf der Zielgeraden haben wir im vierten Quartal doch noch einiges aufholen können. Und man kann den jungen Menschen auch in der jetzigen Lage nur zurufen: Nutzt die Möglichkeiten der dualen Ausbildung, hier gibt es viele spannende Berufe, die man sich zur Berufung machen kann!“

Die Zahl der Handwerksbetriebe hat sich im Jahresverlauf 2020 moderat von 192.419 auf 194.074 Unternehmen vergrößert. Zwei Faktoren führte Ehlert hierbei an: Die Wiedereinführung der Meisterpflicht in zwölf Gewerken, darunter Fliesenleger und Raumausstatter, hat vorerst zu einem massiven Rückgang der Neueintragungen geführt. Die Dynamik der Neueintragungen konzentriert sich jetzt auf weiterhin zulassungsfreie Berufe wie Gebäudereiniger, Fotografen, Kosmetiker oder Bodenleger.“ Auch die Corona-Krise hat ihren Niederschlag bei den Betriebszahlen gefunden: Bedingt durch die verschiedenen Krisenhilfen oder die Erleichterungen im Insolvenzrecht ist die Zahl der Löschungen deutlich geringer als üblich. Dieser Befund wurde durch eine wissenschaftliche Auswertung der Rollendaten des Jahres 2020 durch das ifh Göttingen untermauert. „Ähnlich wie bei den Insolvenzzahlen kann es aber im Jahresverlauf 2021 dazu kommen, dass in den besonders betroffenen Branchen Betriebe vom Markt verschwinden, weil ihnen die Perspektive fehlt“, so Ehlert.

NRW-Handwerk von Pandemie unterschiedlich intensiv, aber tendenziell immer stärker betroffen

Dachorganisation stellt Konjunkturlage zur Jahreswende vor – 4 % Umsatzminus für 2020 erwartet – Rückgänge bei Ausbildung moderater als befürchtet

Das NRW-Handwerk ist im „Corona-Krisenjahr“ 2020 in der Substanz seiner Branchen, Betriebe und Beschäftigten bislang verhältnismäßig gut durch die Rezession gekommen. Der Wirtschaftsbereich zeigt sich von der Pandemie unterschiedlich intensiv betroffen. Während die Bauwirtschaft, die etwa die Hälfte zum gesamten Handwerksumsatz beiträgt, recht stabil durch das Jahr 2020 gekommen ist und teilweise von einer erhöhten Nachfrage nach Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen profitieren konnte, litten andere Gewerke stark unter pandemiebedingten Betriebsschließungen und Umsatzeinbrüchen – so insbesondere die Kosmetiker, Friseure und andere Ladenhandwerke. „Etwa ein Fünftel unserer Betriebe hat massive Probleme, die anderen stehen stabil da“, so Andreas Ehlert, der Präsident von HANDWERK.NRW.

Aus den regelmäßigen Konjunkturumfragen der Handwerkskammern, aus Sonderumfragen des Zentralverbands des deutschen Handwerks und den vorläufigen Daten aus der vierteljährlichen Handwerksberichterstattung zeichnet sich für das Gesamthandwerk im Jahr 2020 ein Umsatzrückgang von etwa vier Prozent ab. Auf ein nennenswertes Umsatz-Plus im noch wenig coronabelasteten ersten Quartal (+3,4 %) folgte laut amtlicher Handwerksberichterstattung ein umso massiverer Wachstumseinbruch im 2. Vierteljahr um -7,8 %, bevor das Handwerk im 3. Quartal auf einen moderaten Wachstumspfad zurückkehrte (+ 0,5 %).

Im 4. Quartal führte der zweite Lockdown im Handwerk zu einem Rückschlag in den betroffenen Branchen. Für das neue Jahr 2021 ist nach Aussage von Andreas Ehlert keine belastbare Prognose möglich: „Ohne den zweiten Lockdown hätten wir auf eine moderate Erholung gesetzt. Nun aber hängt alles davon ab, wie schnell wir die Betriebe wieder ans Laufen bringen. Vor allem in den konsumnahen Handwerken und in Kleinbetrieben sowie unter Soloselbstständigen und Gründern sind die Liquiditätsreserven jetzt allerdings weitgehend aufgebraucht“, betonte Ehlert. „Trotz aller Krisenhilfen kommt der Punkt näher, an dem betroffenen Betrieben die Luft ausgehen wird. Deshalb ist eine erfolgreiche und schnelle Impfstrategie jetzt die beste Wirtschaftspolitik.“ Unsicherheiten für das begonnene Jahr bergen die rückläufigen Auftragsreichweiten und Auftragsbestände in Branchen, die bisher gut durch die Krise gekommen sind. „Es wird für die wirtschaftliche Erholung ganz entscheidend sein, ob wir die mittelständischen Strukturen in der Krise in der Substanz bewahren können.“

Die Auswirkungen der Pandemie auf den handwerklichen Arbeitsmarkt sind vorerst moderat: 19 Prozent der Unternehmen beschäftigten kurz vor der Jahreswende weniger, 12 Prozent mehr Personal als vor einem Jahr. Bundes- und landesweit rechnet das Handwerk mit einem Rückgang der Beschäftigung um drei bis vier Prozent – für Nordrhein-Westfalen würde das einen Rückgang auf etwa 1,15 Mio. Erwerbstätige bedeuten. „Vor allem die Kurzarbeit hat im Jahr 2020 stabilisierend gewirkt“, erklärte Ehlert. „Aber je länger der zweite Lockdown dauert, desto stärker wird auch der Arbeitsmarkt der besonders betroffenen Branchen in Mitleidenschaft gezogen.“

Besser als befürchtet fällt auch die Ausbildungsbilanz des NRW-Handwerks im abgelaufenen Jahr aus. Das zwischenzeitlich zweistellige Manko bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverhält-nissen ließ sich dank vehementer Matching-Bemühungen der Handwerksorganisation auf ein vorläufiges Minus von rd. acht Prozent gegenüber dem Vorjahr eindämmen. Ehlert: „Auf der Zielgeraden haben wir im vierten Quartal doch noch einiges aufholen können. Und man kann den jungen Menschen auch in der jetzigen Lage nur zurufen: Nutzt die Möglichkeiten der dualen Ausbildung, hier gibt es viele spannende Berufe, die man sich zur Berufung machen kann!“

Die Zahl der Handwerksbetriebe hat sich im Jahresverlauf 2020 moderat von 192.419 auf 194.074 Unternehmen vergrößert. Zwei Faktoren führte Ehlert hierbei an: Die Wiedereinführung der Meisterpflicht in zwölf Gewerken, darunter Fliesenleger und Raumausstatter, hat vorerst zu einem massiven Rückgang der Neueintragungen geführt. Die Dynamik der Neueintragungen konzentriert sich jetzt auf weiterhin zulassungsfreie Berufe wie Gebäudereiniger, Fotografen, Kosmetiker oder Bodenleger.“ Auch die Corona-Krise hat ihren Niederschlag bei den Betriebszahlen gefunden: Bedingt durch die verschiedenen Krisenhilfen oder die Erleichterungen im Insolvenzrecht ist die Zahl der Löschungen deutlich geringer als üblich. Dieser Befund wurde durch eine wissenschaftliche Auswertung der Rollendaten des Jahres 2020 durch das ifh Göttingen untermauert. „Ähnlich wie bei den Insolvenzzahlen kann es aber im Jahresverlauf 2021 dazu kommen, dass in den besonders betroffenen Branchen Betriebe vom Markt verschwinden, weil ihnen die Perspektive fehlt“, so Ehlert.

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